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15.09.2005
Totenbriefe kamen erst nach Beerdigung

"Und ab geht die Post", heißt es landläufig, wenn etwas sofort ausgeführt wird. Gisbert Meges hat allerdings allen Grund, an dieser sprichwörtlichen Zuverlässigkeit der Deutschen Post zu zweifeln. Und er ist kein Einzelfall.
Nachdem am 12. August seine Mutter verstorben war, wollte Meges Verwandte und Bekannte mit Totenbriefen über den Sterbefall sowie über Zeit und Ort der Beerdigung informieren. "Am 13. August nachmittags gegen 14 Uhr habe ich die Briefe selbst eingeworfen", erinnert er sich. Um eine möglichst schnelle Beförderung der 35 Sendungen sicherzustellen, habe er den Briefkasten an der Postfiliale in der Stembergstraße benutzt, fügt er hinzu.
Doch der Neheimer hatte die Rechnung ohne die Post gemacht. Bis zur Beerdigung am 17. August war noch keiner der Briefe bei den Empfängern angekommen. Nicht nur, dass viele Bekannte noch gar nicht über den Todesfall informiert waren, auch das Kaffeetrinken im Anschluss an die Beerdigung drohte ins Wasser zu fallen. "Ich bin noch selber herumgelaufen und habe die Leute eingesammelt", berichtet Meges.
Knapp eine Woche nach der Beerdigung hatte die Post dann ihre Aufgabe erfüllt und die Briefe zugestellt, Laufzeit: zehn Tage. Meges war sauer und beschwerte sich bei der Postzentrale in Bonn. Postwendend erhielt er ein freundliches Entschuldigungsschreiben. Die Ursache sei nicht zu ermitteln. Und im übrigen: keine Haftung.
"Das kann es doch nicht sein", meint Meges erzürnt. Es beruhigt ihn kaum, wenn die Pressestelle der Deutschen Post auf Anfrage der WR ihre Erfolgsstatistik anführt. Demnach erreichen 95 Prozent der Sendungen ihre Empfänger schon am folgenden Tag, 99 Prozent nach zwei Tagen.
Inzwischen weiß Meges, dass er nicht der einzige Postkunde mit solchen Erfahrungen ist. Familie Beleke in Ense-Höingen ist Ähnliches widerfahren. Nach dem Tod seiner Schwiegermutter warf Achim Beleke am Sonntag, den 4. September gegen 16 Uhr etwa 50 Totenbriefe ein, und zwar ebenfalls in jenen Briefkasten in der Stembergstraße. Bis zur Beerdigung drei Tage später (am 7. September) war noch keiner angekommen. Erst in den letzten Tagen, nachdem sich die Belekes bei der Hotline der Deutschen Post beschwert hatten, begannen die Sendungen allmählich bei den Adressaten einzutrudeln. "Poststempel vom 11. September", stellte Petra Beleke fest.
Konzernsicherheit untersucht Fälle
"Da ist man ohnehin schon mit den Nerven fertig, und dann auch noch so etwas", klagt die erzürnte Postkundin. "Da müsste es doch eigentlich eine Stelle geben, wo man solche termingebundenen Sendungen wie Totenbriefe aufgeben kann." Die auch ihr schon vorliegende Entschuldigung der Post vermag sie nicht zu besänftigen. Sie will jetzt den Verband der Postbenutzer einschalten.
Die Pressestelle der Deutschen Post in Düsseldorf, nunmehr von der WR mit dem nächsten Fall konfrontiert, tat noch mehr als auf die Hotline zu verweisen, wo Postkunden unter der Telefonnummer 01802/3333 ihre Reklamationen los werden können. Sie schaltete jetzt die Hauspolizei, die Abteilung Konzernsicherheit ein. Die soll nun Licht in diese Häufung mysteriöser Fehlleistungen bringen.
Quelle: WR-online, 15.09.2005
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