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28.07.2005
"Dürfen wir ein Gedicht vortragen?"

Die Bogen-Künstler Karl-Heinz Hosse, Haimo Hieronymus und Peter Meilchen haben ihren ersten Lyrikmarathon im Rahmen ihrer 1. "Sommer-Poesie-Schlacht" in Geschäften und an öffentlichen Orten absolviert. Ihre Frage "Dürfen wir Ihnen ein Gedicht vortragen" fand ein positives Echo, die Menschen zeigten sich aufgeschlossen und freundlich.
Polizeioberkommissar Ulli Geue war das erste Lyrik-"Opfer". Auf dem Bürgersteig vor dem Restaurante "Bruno´s" zitiert Karl-Heinz Hosse einige Verse zum Thema "Etwas für Wein und Zeit". Der Gesetzesmann nickt vielsagend und lobt mit "Gut gemacht." Vor GL-Moden hält eine junge Familie an, hört aufmerksam zu. Weiter führt der Weg der Bogen-Künstler zum Weinhaus Schröder. "Frau Grau" kommt zum Vortrag. Juniorchef Andreas Schröder ist angetan, sieht eine "gute Idee und etwas anderes, dass auch die Kunden auflockert." Lohn des Vortrags ist ein Glas Rotwein.
Die Arbeiter an der Baustelle im unteren Bereich der Apothekerstraße sind etwas sprachlos, als sie ein Gedicht hören sollen. Immerhin: Die Motoren werden ausgestellt, das Trio gibt sein Bestes. "Dankeschön" sagen die Arbeiter - und schmunzeln. Auch im Dessousgeschäft "Hautnah am Dom" sind die Künstler einmarschiert. Das Männertrio trägt vor feinster Unterwäsche "Immer wieder obenauf" vor. Verkäuferin Monika Kunze lobt: "Gute Idee, was sie hier machen, ich habe das Projekt mit Interesse in der Zeitung gelesen."
In der Marien-Apotheke zeigt sich Chef Klaus Humpe (gleichzeitig amtierender Jägerkönig) nicht unvorbereitet. Er hat bereits ein Gedicht in seinem Büro aufgehängt. Die Bogen-Künstler legen sich ins Zeug. Jeder rezitiert ein Gedicht. Peter Meilchen trägt vielsagend sein "Da schau, schon wieder nichts" vor. Immerhin: Der Aufmarsch in der Apotheke zieht die Menschen an. "Nicht schlecht" sagt jemand - und alle nicken.
Seniorin Anni (77) fiel spontan auch ein Gedicht ein
Nur drei Kunden sind im Lotto-Toto-Tabakwarenschäft Thamm/Theis, als die Bogen-Künstler eintreten. Und natürlich sofort loslegen. Mitinhaberin Petra Theis ist ganz begeistert. Ebenso Kundin Anni Budis. Ein Lächeln huscht über das Gesicht der 77-Jährigen, als sie schelmisch mitteilt, dass sie auch ein Gedicht vortragen kann. Nur Mut schallt es ihr von dem Bogen-Trio entgegen und Anni legt los mit dem "Denke nie gedacht zu haben, denn das Denken der Gedanken ist gedankenlos. Denke, wenn Du denkst, Du denkst, dann denkst du wie Du denkst. . ." Die Bogen-Leute sind sichtlich zufrieden: "Hätten wir nicht erwartet" zollen sie der Seniorin Respekt. Anni Budis grinst wieder, "Sie haben mich ja auch vorher noch nicht gekannt." Kunst färbt doch noch ab.
Quelle: WR-online, 28.07.2005
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