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14.07.2005
Poesie-Schlacht an der Fleischtheke

"Ich bin so wild auf deinen Erdbeermund. Ich schrie mir schon die Lungen wund - nach deinem weißen Leib, du Weib..." [Francois Villon]- Lyrik kann anmachen. Kann aufwühlen aber auch beruhigen. Man muss ihr nur die Tür öffnen und sie hereinbitten. Sagen drei Neheimer Künstler und haben "Madame Poesie" schon einmal eingeladen. Für Montag. "Ja" hat sie wohl gesagt. Und dass sie bleibt bis Ende September.
Karlheinz Hosse schiebt seine große dunkle Sonnenbrille auf die Stirn: "Wenn uns etwas gut geschmeckt hat, sagen wir: Es war ein Gedicht. Dabei weiß doch heute kaum noch jemand, wie sich ein Gedicht überhaupt liest. - Ist leider nicht von mir, sondern von Hans Magnus Enzensberger. Aber da ist schon was dran." Deshalb hat sich der Neheimer zusammen mit seinen Kollegen Haimo Hieronymus und Peter Meilchen vom Künstleratelier "Der Bogen" jetzt eine Flasche Wein und ein bisschen Zeit gegönnt und einen Plan gemacht, wie man Lyrik unters Volk bringen kann.
"Wir müssen mit der Poesie einfach dahin gehen, wo die Leute sind. Sie im Alltag mit ihr überraschen", sagt Haimo Hieronymus. An einer Fußgänger-Ampel zu Beispiel. Oder an einer Bushaltestelle. Und so wollen die drei am Montag insgesamt 150 lyrische Texte - darunter auch eigene - in Neheim verteilen. Sie in Folie geschweißt irgendwo hinkleben, wo sie die Menschen überraschen und aus dem Alltag in die Poesie locken. Wenigstens einen Moment lang.
Poesie im Vorbeigehen
"Vielleicht hat ja jemand Lust, es uns gleich zu tun, und hängt einfach selbst Texte auf", sagt Peter Meilchen. "Dadurch bekäme die ganze Sache eine gewisse Dynamik, die doch sehr spannend ist." Die Regeln sind einfach: Alles ist möglich, sofern es niemanden verletzt. Eine friedliche Poesie-Schlacht eben.
"Mit der Aktion wollen wir Denkanstöße geben und zeigen, dass Kunst auch in Neheim lebendig ist", erklärt Haimo Hieronymus. Und deshalb wollen die drei noch eins draufsetzen. Mit einem Lyrik-Marathon, bei dem sie irgendwann im August durch die Neheimer Geschäfte ziehen und Gedichte lesen. An der Fleischtheke im Supermarkt vielleicht. Vor der Umkleidekabine. Oder in der Kosmetikabteilung der Parfümerie. Ein Erdbeermund, auf den man wild sein kann, findet sich dort ganz sicher. . .
Quelle: WP-online, 14.07.2005
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