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08.04.2005
Zeugen: Wir liefen um unser Leben

Die beiden ersten Zeugen, die am zweiten Verhandlungstag in dem Prozess gegen Mehmet C. am Arnsberger Landgericht ausgesagt haben, wichen in wesentlichen Punkten ab von den Angaben, die der Angeklagte zuvor selbst zu den tödlichen Schüssen vom Engelbertplatz gemacht hatte.
C. gab an, dass er an jenem 29. Oktober letzten Jahres wegen einer größeren Ansammlung von "Russen" vor seinem Imbiss am Bexleyplatz beunruhigt gewesen sei. Die "Russen" hatten den türkischen Imbissbetreibern angeblich den "Krieg" erklärt. C. alarmierte deshalb telefonisch seinen Onkel, der später neben anderen Familienmitgliedern auf dem Schauplatz erschien.
Nachdem sich das Geschehen mehrere Male von dem Imbiss zum Engelbertplatz und wieder zurück verlagert hatte, sei es schließlich auf dem Engelbertplatz zu einer erregten Auseinandersetzung zwischen dem erst später dazugekommenen Cahit Ö., dem Opfer, und C.s Onkel gekommen. "Steckst du etwa dahinter?" habe sein Onkel gerufen. Dann hätten sein Bruder und sein Onkel begonnen, mit Teleskopschlagstöcken, sogenannten Totschlägern, auf Ö. einzuschlagen.
Die erst kurz vorher bei einem Unbekannten gekaufte Pistole habe er, C., erst gezogen, als Ö. mit seiner rechten Hand unter seine Jacke an den Hosenbund gegriffen habe. Da habe er geglaubt, Ö. würde jetzt eine Waffe ziehen. Er habe nur auf dessen Hand gezielt. Wieviele Schüsse er aus nächster Nähe auf den 34-Jährigen abgefeuert habe, könne er sich nicht mehr erinnern. Die Staatsanwaltschaft spricht von mindestens fünf.
Die Zeugen gehörten zu jener von den Türken als "Russen" bezeichneten Gruppe. Sie hätten allerdings mit dem Imbiss nichts im Sinn gehabt, gaben sie an, sondern seien auf der Suche nach einer Person gewesen, die einen der Ihren verprügelt hatte. Nachdem die Suche erfolglos geblieben war, sei die Gruppe auseinandergegangen.
Als die letzten drei auf dem Engelbertplatz ihr Auto besteigen wollten, seien ihre bereits gegangenen Kollegen plötzlich in panischer Flucht vorübergestürmt. Direkt hinter ihnen sei eine größere Gruppe von Türken aufgetaucht, etwa 15 bis 20 Männer, die alle mit Messern und Schlagstöcken bewaffnet gewesen seien.
Gesuchte Person nicht anwesend
Ihre Fragen hätten deutlich gemacht, dass sie eine bestimmte Person suchten, die aber nicht anwesend war. Dann sei Ö. aufgetaucht. Die Zeugen beobachteten, wie zwei oder drei Türken unversehens begannen, auf Ö. einzuschlagen. Als dieser sich schützend niederbeugte, sei ein anderer Mann an ihn herangetreten und habe mehrere Male auf ihn gefeuert.
Dann habe der Schütze sich herumgedreht und auch auf sie geschossen. Die Zeugen berichteten, sie seien dann um ihr Leben gelaufen.
Die Befragung der Zeugen soll am kommenden Mittwoch fortgesetzt werden.
Quelle: WR-online, 08.04.2005
LINKS zum Thema:
http://www.lg-arnsberg.nrw.de/
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