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21.04.1969
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1. Internationales Schriftsteller-Kolloquium in Neheim-Hüsten

Vom 21.04.-23.04.1969 findet erstmalig das Schriftsteller-Kolloquium in der Nachfolge der Schriftstellertreffen 1965 und 1967 in Neheim-Hüsten statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird der "Internationale Kurzgeschichtenpreis der Stadt Neheim-Hüsten" vergeben.
Teilnehmer:
H.G. Adler, Günter Braun, Johanna Braun, Inger Christensen, Walter Gross, Max von der Grün, Kay Hoff, Anton Hykisch, Ivan Ivanji, Urs Jaeggi, Norbert Johannimloh, Anise Koltz, Angelika Mechtel, Ernst Meister, Sascha Alexander Petrovic, Armand Pierhal, Hana Prosková, Josef Reding, Erwin Sylvanus, Friedel Thiekötter, Gabriele Wohmann, Jan F. de Zanger
Jury:
Wolfgang Ignée, Dr. Magdalene Padberg, Dr. Karol Rosenbaum, Wolfgang Hädecke
Preisträger:
1. Preis für den Text "Aus dem weißblauen Tagebuch" von Gabriele Wohmann
2. Preise für die Texte "Das Schild an der Ladentür" von Johanna Braun und "Notstand" von dem gebürtigen Neheimer Friedel Thiekötter.
Johanna Braun
1929 in Magdeburg geboren
- Abitur, Bürolehre, Stenotypistin, Redakteurin, Reporterin.
- 1953 freiberufliche literarische Versuche (Kurzgeschichten, Erzählungen).
- Seit 1955 Zusammenarbeit mit Günter Braun und Veröffentlichungen unter gemeinsamen Namen.
Günter Braun
1928 in Wismar geboren
- Besuch des Stadtgymnasiums in Königsberg/Ostpreußen.
- Mit 16 Jahren Luftwaffenhelfer, Kanonier.
- Abitur in Stendal.
- Feuilleton-Redakteur in Magdeburg und Berlin.
- Gleichzeitig erste literarische Arbeiten. Dramatik.
- Seit 1955 Zusammenarbeit mit Johanna Braun und Veröffentlichungen unter gemeinsamen Namen.
In den letzten Jahren veröffentlichten die Brauns Features und Essays in überregionalen Zeitungen. Ihre neuen phantastisch-gespenstischen Erzählungen und "Geschichten von Herrn A. Morph" wurden im RIAS, NDR, Saarländischen Rundfunk, MDR, gesendet.
Preise:
- 1969 Internationaler Kurzgeschichtenpreis der Stadt Neheim-Hüsten
- 1969 Kunstpreis des Bezirkes Magdeburg
- 1985 "Phantastikpreis" der Stadt Wetzlar
- 1988 Förderpreis zum Literaturpreis der Stadt Marburg
- 1989 Deutscher Kurzgeschichtenpreis der Stadt Arnsberg
- 1990 Ehrenpreis "Traumfabrikant"
Randnotizen ...
Zum Internationalen Kurzgeschichten-Kolloquium in Neheim-Hüsten
Die Kurzgeschichte hat sich im Laufe der letzten hundert Jahre in der ganzen Welt zu einer beliebten Form zeitnahen Erzählens mit vorwiegend gesellschaftskritischer und zeitkritischer Thematik entwickelt. Steht die Kurzgeschichte damit heute als moderne literarische Aussageform im Brennpunkt des aktuellen Interesses, so ist ihr eigentlicher literarischer Standort noch weitgehend ungeklärt. Die Stadt Neheim-Hüsten hat sich Rahmen ihrer langjährigen Bemühungen um die zeitgenössische Literatur die Aufgabe gestellt, durch die Stiftung eines besonderen "Kurzgeschichtenpreises", der alle zwei Jahre vergeben werden soll, zur Klärung dieser Frage beizutragen. Ich begrüße diese dankenswerte Initiative einer Mittelstadt sehr und hoffe, dass sowohl die Preisverleihung selbst als auch das vorgesehene "Internationale Kurzgeschichten-Kolloquium" einer breiten Öffentlichkeit den Rang und die Bedeutung der Kurzgeschichte als Ausdrucksform unsere Zeit vermittelt. In der Stiftung eines Literaturpreises für eine besondere Literaturgattung sehe ich zugleich einen erwägenswerten Weg für die zukünftige Gestaltung der Literaturförderung durch Preise.
Fritz Holthoff Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen
Samstag, 12.04.1969 Westfalenpost
Auch "DDR"- Autoren schickten Kurzgeschichten
Erzählerpreis der Leuchtenstadt zum Quadrum - 25 Autoren werden erwartet
Neheim- Hüsten. Sie nennt sich Leuchtenstadt nicht in überheblicher Selbsteinschätzung sondern angesichts des Charakteristikums ihrer Industrie: Die Leuchten-Produktion hat der Stadt weltweiten Ruf gebracht. Und eben diese Industriestadt ist um eine harmonische Synthese gewerblichen und kulturellen Lebens bemüht.
Vor einiger Zeit hat der Rat der Stadt einen mit 3000 DM dotierten Erzählerpreis für die beste Kurzgeschichte mit zeitkritischem oder gesellschaftskritischem Thema gestiftet. Der Preis soll alle zwei Jahre innerhalb des "Zeitgenössischen Forums" bei den jeweils stattfindenden internationalen Autorentreffen vergeben werden, und zwar in diesem Jahr zum ersten Mal. Das vor allem ist der Quadrum-Beitrag Neheim-Hüstens.
Diese Autorentreffen in der Leuchtenstadt haben ihre Geschichte: Neheim-Hüsten gehörte zu den ersten Städten, die vor etwa zehn Jahren mit der Durchführung internationaler Kulturwochen begannen. Hier wurden sie - zwar mit einigen Schwierigkeiten, aber auch mit beachtlichem Erfolg - auf Ostblockstaaten ausgedehnt.; dazu gehörten beispielsweise 1964 die "Polnischen Akzente". Die Autoren-Kolloquien, die sich folgerichtig aus den internationalen Kulturwochen entwickelten, erhielten ebenfalls schon bald durch die Ausdehnung auf Teilnehmer aus dem europäischen Ausland internationalen Charakter. Und auch hier wieder der - durchaus erfolgreiche - Versuch, Autoren aus den Ostblockstaaten einzubeziehen. So glückte Neheim-Hüsten zum ersten Mal, was vorher keiner anderen Stadt gelang: Am letzten Autorentreffen nahm nach persönlicher Fühlungnahme von VHS-Leiter Dr. Kleinholz mit dem Schriftstellerverband in Prag eine achtköpfige Delegation dieses Verbandes teil. Und auch zu den Kolloquien vom 20. bis 24. April werden unter den 25 Autoren, die sich angemeldet haben, solche aus Jugoslawien und der Tschechoslowakei sein; einige von ihnen zum wiederholten Mal. Im Einvernehmen mit dem Ostberliner Schriftsteller-Verband wird mit Günter Braun (Magdeburg) auch ein Autor aus der "DDR" teilnehmen. Und zu den 140 Einsendungen des Kurzgeschichten-Wettbewerbs gehören ebenfalls solche von DDR-Autoren. Wie sagte doch Josef Reding bei einem letzten Autorentreffen: "Neheim-Hüsten hat nicht nur industrielle Helle, sondern auch kulturelle Luzidität entwickelt."
Doch nicht nur das. Gleich den anderen Quadrum-Städten bemüht sich auch Neheim-Hüsten bewusst darum, Theaterkultur in die Provinz zu tragen. So bereiten Tournee-Theater mit bekannten Kräften, die auch die anderen Quadrum-Städte ansteuern, den Boden für ein Vorhaben in der Leuchtenstadt, das Beachtung verdient: Noch in diesem Jahr wird in Neheim-Hüsten mit dem Bau einer Theateraula begonnen, deren Bühnenhaus für Originalinszenierungen der Theater benachbarter Großstädte ausgebaut wird.
Mittwoch, 23. April 1969
Autoren lasen in den Schulen
Neheim-Hüsten. Am Autoren-Kolloquium partizipieren auch die weiterführenden und berufsbildenden Schulen der Stadt. Gestern morgen weilten etwa 20 der Teilnehmer am Autorentreffen zu Lesungen in Klassen dieser Schulen und zwar im Franz-Stock-Gymnasium der einzige Teilnehmer aus der DDR, Günter Braun, Ivan Ivanji aus Jugoslawien sowie aus der Bundesrepublik Angelika Mechtel, Josef Reding, Erwin Sylvanus und Gabriele Wohmann: im St.-Ursula-Gymnasium die Dänin Inger Christensen, der Franzose Arnmand Pierhal, die Tschechoslowakin Hana Prosková sowie aus der Bundesrepublik Max von der Grün und Kay Hoff; in der Realschule 2 der Holländer Jan F. de Zanger, aus der Bundesrepublik Norbert Johannimloh und der Neheimer Friedel Thiekötter; in der Höheren Handelsschule der Engländer H.G. Adler, der Jugoslawe Sascha Alexander Petrovic und aus der Tschechoslowakei Anton Hykisch.
Donnerstag, 24. April 1969
Zwei Autoren trafen sich beim Kurzgeschichten-Kolloquium als gute, alte Bekannte wieder: H.G. Adler, der, in Prag geboren, sich einen deutschen Schriftsteller jüdischer Nation, tschechoslowakischer Herkunft und britischer Staatsbürgerschaft nennt, und Ivan Ivanji, in Zrenjanin (Jugoslawien) geboren. Der eine könnte dem Alter nach der Vater des Anderen sein. Sie lernten sich im Konzentrationslager Auschwitz kennen, überlebten und blieben in Verbindung miteinander. In Neheim-Hüsten war es ein Wiedersehen nach vielen Jahren.
Freitag, 25 April 1969
Mit besonderer Freude überreichte Bürgermeister Teriet dem Neheimer Studenten Friedel Thiekötter einen zweiten Literaturpreis - weil Thiekötter ein Sohn der Stadt ist und weil er, der Bürgermeister, als Schulmeister den jungen Preisträger einmal vor sich auf der Schulbank sitzen hatte. So erinnert sich auch einmal der Lehrer seines Schülers.
Quelle: Stadtarchiv Arnsberg | Recherche: Julia Pater
LINKS zum Thema:
http://www.luna-basis2.de/autoren/b/info_36_b.htm http://www.fksfl.de/FKSFL/Autoren/Braun/BRAUNJUG.htm
http://www.lyrikwelt.de/autoren/wohmann.htm
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